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Die Salztangente

Seit 2005

(...) Das im Rahmen der Skulptur-Biennale im Münsterland entstandene Projekt „Die Salztangente“ setzt - wie bei Turing Tables - an einem geologischen Visualisierungsproblem an, bezieht sich allerdings in diesem Fall nicht auf eine durch aktualisierte Daten als Echtzeit konstruierte Jetztzeit, sondern auf einen kaum vorstellbaren Zeitraum von zweihundert Millionen Jahren.

Im Kreis Borken im Münsterland erstreckt sich ein großer Bestand unterirdischer Salzlagerstätten, die erdhistorisch, aber auch kulturgeschichtlich bedeutsam für diese Region waren und sind. Franz John hat dort entlang einer etwa 80 Kilometer langen, als Fahrradwanderweg angelegten „Tangente“ Felder aus ca. 3 Meter hohen Stäben aufgebaut, die auf die vergangene Wasserhöhe des für die Salzstockbildung verantwortlichen, inzwischen lange ausgetrockneten „Urmeeres“ aufmerksam machen, an dessen Stelle eine „Kulturlandschaft“ getreten ist, die sich unter anderem auch über ein Nutzverhältnis zu den Salzvorkommen definiert.


Radfahrer können sich so auf ihrem Weg gewissermaßen in einen vorgestellten Unterwasserraum, aber auch in einen ganz wörtlich „erfahrbar“ gewordenen Geschichtsraum versetzen, wobei die farbige Markierung auf einer an geologischen Karten orientierten Skala zwischen blau und grau die an dieser Stelle gegebene Stärke des Salzvorkommens indiziert.

In denkbar großem Unterschied zu formal vielleicht ähnlich scheinenden Land-Art-Experimenten der sechziger und siebziger Jahre steht für Franz Johns Arbeit das Mediale im Mittelpunkt, das zwischen abstrakter Erkenntnis und individueller Erfahrung vermittelt. (...)

Clemens Krümmel
Auszug aus dem Ausstellungskatalog, Turing Tables, 2006
Weitere Informationen: salztangente.de/info.html
Catalog & Bikemap: ISBN 3-937432-09-4